Versicherungsbetriebe, März 2002

Grenzenlos sicher - die Versicherungsmauern fallen

Der Euro macht das Produkt Versicherung europaweit transparenter und vergleichbarer. Die Verbraucher profitieren vom Preiswettbewerb und der neuen Vielfalt der Versicherungsangebote, vor allem bei den Standardprodukten Kfz-, Haftpflicht- und Unfallversicherung. Ausländische Unternehmen werden sich verstärkt darum bemühen, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Den Weg für diese Internationalisierungstendenzen ebnete die bereits 1994 verabschiedete Dritte Versicherungsrichtlinie der Europäischen Union. Eine Zulassung zum Geschäftsbetrieb in einem Mitgliedsland der Europäischen Union reicht aus, um die Versicherungen dann in allen Ländern absetzen zu können. Eine Genehmigung der jeweiligen Versicherungsaufsicht muss nicht mehr eingeholt werden. Gesetzliche Bestimmungen wachen darüber, dass die gewohnten Qualitätsstandards des jeweiligen Staates gewahrt bleiben.

Vor allem den Online-Versicherungen ist damit die Chance gegeben, europaweit zu agieren. Ihr Geschäftsmodell ist auf das Internet ausgerichtet. Der Vorteil: Sie können ihre Ressourcen standortunabhängig nutzen. Die auf das neue Medium abgestimmten Vertriebsabläufe helfen außerdem, die Kosten zu senken. Ein Argument, das angesichts der seit längerer Zeit defizitären Ertragssituation bei den Kfz-Versicherungen nicht außer Acht gelassen werden sollte. Die notwendigen Tariferhöhungen können im offenen Binnenmarkt kaum durchgesetzt werden. Unternehmen, wie beispielsweise der Online-Versicherer Ineas, haben die europäische Ausrichtung von Anfang an in ihrer Unternehmensstruktur berücksichtigt. Strategisch nehmen sie damit eine günstige Ausgangsposition in der neu entstehenden Marktsituation ein. Durch die europaweite Vernetzung wickeln Mitarbeiter Projekte länderübergreifend ab. Partnerunternehmen können aus dem ganzen EU-Bereich in Anspruch genommen werden.

Zu kämpfen haben etablierte Versicherungsunternehmen auch mit der immer größer werdenden Bereitschaft der Kunden, wenn nötig auch jährlich einen Anbieterwechsel vorzunehmen. Dies gilt vor allem für die Kfz-Versicherung. Hier wechselt pro Jahr mittlerweile jeder Fünfte. Künftig werden also Servicegedanke und Kundenbindung immer wichtiger, um wankelmütige Versicherungsnehmer nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Die Unternehmen müssen deshalb auf der Hut sein, dass ihre Kunden nicht internationaler denken und informierter sind als sie selbst. Eine Verstärkung der Kundenbindung durch aktives Schadenmanagement wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Ab 2003 wird ohnehin einiges leichter. Das Europäische Parlament verabschiedete eine Richtlinie, die den Autounfall in den österreichischen Alpen für den deutschen Versicherten nicht mehr zum Albtraum werden lassen. Unverschuldete Verkehrsunfälle im Ausland können künftig im Heimatland abgewickelt werden. Dazu muss jeder Haftpflichtversicherer aus der EU in jedem anderen Mitgliedsstaat einen Beauftragten benennen, der die Abwicklung übernimmt.

Damit allein ist es aber nicht getan. Die Versicherungsunternehmen sind gerade in der Schadenregulierung gefordert, kundenfreundlicher aufzutreten. Einige Anbieter setzen auf den Kauf großer Reparatur- und Mietwagenkontingente, die sie ihrer Klientel zur Verfügung stellen. Die auf diese Weise erzielten günstigeren Preise geben die Versicherer in Form von Prämienermäßigung oder Serviceerweiterungen an ihre Kunden weiter. Vor allem die traditionellen Versicherer lassen die Möglichkeiten des Internets ungenutzt. Investitionen werden nur zögerlich getätigt. Kein Wunder - noch sind sie beschäftigt die 1,2 Milliarden Euro, die laut einer Hochrechnung von Mummert + Partner die Währungs-Umstellung kosten wird, auszugeben. Mit vernünftigem Customer-Relationship-Management kann der Versicherer eine Menge erreichen. Der Kunde wird dann zu jeder Zeit und an jedem Ort bestmöglich bedient, die Police fährt immer mit. Es wird in jedem Fall einfacher werden, über nationale Grenzen hinweg Verträge zu vereinbaren.