Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30/09/02

Langsamer Abschied von Herrn Kaiser
Online-Versicherer Ineas wächst in einer Nische / 10 Millionen Euro zusätzliches Kapital nötig

PARIS, 29. September. Der einzige Versicherer, der seine Produkte ausschließlich über das Internet anbietet, ist mit seinem Geschäft zufrieden. Das sagt Niek W. Ligtelijn, Vorstandsvorsitzender der Ineas Insurance Company N. V, am Rande des Mondial de l'Automobile in Paris. Seine Gesellschaft konnte seit Ende 1999 in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden mehr als 18 000 Policen über das Netz verkaufen - vor allem Autoversicherungen und Privathaftpflichtversicherungen. Aus Deutschland, wo Ineas seit März 2000 online ist, kommen 7000 Kunden; weitere 9000 kommen aus Frankreich. „Auf den ersten Blick ist das natürlich immer noch lächerlich wenig", räumt Ligtelijn ein, aber er liege damit im Plan. Ende des Jahres rechne er mit 25 000 Policen.

Die Gewinnzone wird Ineas aber erst bei 70 000 verkauften Versicherungen erreichen, erklärt Ligtelijn. Das soll Anfang des Jahres 2004 soweit sein. Hier hat er sich aber schon einmal verschätzt, indem er vor gut zwei Jahren bereits für 2002/2003 das Überschreiten der Gewinnschwelle prognostizierte. „Das Geschäft über das Internet explodiert nicht, aber es stirbt auch nicht", meint er. „Es sind gar nicht wenige, die Herrn Kaiser nicht an ihrer Türe haben wollen", zielt Ligtelijn auf eine Werbefigur einer großen Assekuranz. Der geschäftstüchtige Holländer, der seit 30 Jahren im Versicherungsgeschäft tätig ist, rechnet damit, dass immer mehr Leute am Wochenende oder sogar in den Nachtstunden Lust haben, sich über bestimmte Versicherungsprodukte zu informieren, und manchmal auch einen Vertrag schließen können wollen. Und die meisten haben heute Zugang zum Internet. Damit sie auch Ineas finden, kooperiert das Unternehmen mit elf Portalen wie dem von Deutsche Bank 24, FinanceScout24 oder AutoScout24; in den Suchmaschinen hat man einen Link gesponsert.

Ineas gilt in den Tests als eine Assekuranz, die recht preiswert, aber nicht immer die billigste ist. Sie akzeptiert auch nur bestimmte Risiken: Das Fahrzeug darf nicht mehr als 55 000 Euro kosten und ausschließlich privat genutzt werden. Derzeit könne Ineas auch noch keinen „Sicherungsschein" ausstellen, der bei fremdfinanzierten Fahrzeugen nötig ist. Daran werde gearbeitet.

Der Abschluss einer Autoversicherung ist einfach: In Deutschland kommt man über www.ineas.de auf die Homepage und kann dort alles Nötige eingeben. Will der Kunde abschließen, genügen einige Klicks. Die Versicherungsdoppelkarte kann anschließend ausgedruckt werden, wird aber derzeit noch nicht von allen Zulassungsstellen akzeptiert. „Manche brauchen noch immer die abreißbare Pappe", sagt Ligtelijn, denn nur dafür haben sie bestimmte Kästchen, in denen sie die Karten sammeln. Die Police wird meistens noch am Tag des Abschlusses ausgedruckt und an den Kunden verschickt, der dann eine von ihm unterschriebene Erklärung zurücksenden muss, dass er die Versicherungsbedingungen akzeptiert. Bis zur elektronischen Signatur werden noch wenigstens fünf Jahre vergehen, meint er. Diese Schwierigkeiten seinen aber „strategisch nicht wichtig“.

Die Aktionäre - neben dem Management die Securitas LLC und Century Capital - haben seit 1997 rund 18 Millionen Euro investiert. Der Niederländer Ligtelijn ist damit sehr sparsam umgegangen, beschäftigt insgesamt nur 50 Mitarbeiter in den vier europäischen Ländern; die Marketingbudgets sind sehr kein gehalten. „Wir vertrauen auf die Mund-zu-Mund-Propaganda unserer Kunden", sagt Ligtelijn. Zumindest in Deutschland wird es da im Herbst - dem Kündigungstermin für Autoversicherungen - erstmals so richtig zum Schwur kommen: Steigen die Kunden aus, oder bleiben sie Ineas erhalten? Die Chancen stehen für Ineas nicht schlecht, denn derzeit schließt das Unternehmen jeden Monat 1500 neue Verträge und liegt damit 10 Prozent über Plan. Um das Wachstum zu finanzieren, braucht Ligtelijn in den nächsten zwei Jahren etwa 10 Millionen Euro frisches Kapital. Die Börse, da ist er sich sicher, wird es ihm vorerst nicht geben.