Die boomende Internet-Technologie, die bereits vor Jahren in den USA zu
einschneidenden wirtschaftlichen Veränderungen führte, setzt ihren
Siegeszug in Europa fort. Keine Branche verzeichnet zur Zeit ein so
rasantes Wachstum wie E-Commerce und keinem Wirtschaftszweig wird derart
viel Potenzial zugetraut, wie den Neuen Medien.
In Europa herrschen gute Voraussetzungen, um aus dem innovativen Medium
Internet eine Marktmacht werden zu lassen: Die Konjunkturaussichten sind
gut, Europa hat im Vergleich zur USA erheblichen Nachholbedarf und der
liberalisierte Binnenmarkt entfaltet nun allmählich seine Wirkung. Mit
einiger Verspätung – verglichen beispielsweise mit dem Erfolg von
Online-Banken – setzt nun auch die Versicherungswirtschaft an, das Web
für sich zu nutzen.
Konkurrenz für deutsche Versicherer
Seit 1994 sind die europäischen Grenzen für Versicherungen gefallen
und deutsche Assekuranzunternehmen bekommen den verschärften Wettbewerb
mehr und mehr zu spüren. Ausländische Anbieter kommen auf den Markt und
bedienen sich verstärkt des Internets, um ihre Produkte effektiv und
kundenorientiert zu vermarkten. E-Commerce, das Betreiben des
elektronischen Geschäfts im World Wide Web, eröffnet
Online-Versicherungen, die ausschließlich im Web vertreten sind, eine
Vielzahl an Chancen, die – von den Versicherern richtig genutzt – für
Kunden einen hohen Nutzen darstellen.
Versicherung für das Web geeignet
Versicherungsprodukte sind prinzipiell für E-Commerce gut geeignet.
Vor allem standardisierte Versicherungen für den Privatkunden wie Kfz-,
Haftpflicht oder Hausratversicherungen, haben einen hohen
Wiedererkennungswert, so dass kein hoher Beratungsaufwand notwendig ist.
Zudem können im Schadenfall alle Bearbeitungsvorgänge über das Internet
abgewickelt werden.
Gleichzeitig ist die Versicherung eine klassische Dienstleistung: Sie
ist ihrem Wesen nach relativ emotionslos und spricht nicht primär
menschliche Sinne an. Demnach ist ein direkter Kontakt mit dem Kunden
nicht erforderlich. Auch hat sich das Internet in den letzten Jahren zu
einer multimedialen Infothek entwickelt und ist somit die ideale Plattform
für Informationsprodukte wie Versicherungen.
Chancen für die Versicherungswirtschaft
E-Commerce beinhaltet für die Versicherungswirtschaft zwei
grundlegende, interessante Herausforderungen. Die Versicherer haben die
Möglichkeit, eine virtuelle Organisation aufzubauen und so dem Kunden
Kosten- und vor allem Know-how-Vorteile weiterzugeben. Außerdem können
sie die Interaktivität des Internets für innovative Ansprache,
intensiven Dialog und langfristige Kundenbindung nutzen.
Kosten- und Kompetenzvorteile für den Kunden
Die elektronische Vernetzung eröffnet Assekuranzunternehmen – vor
allem jungen Unternehmen - die Chance, eine virtuelle Organisation
aufzubauen. Dabei wird ein Teil der Geschäftsprozesse wie z.B.
IT-Administration oder Marketing mit Partnerunternehmen durchgeführt. Die
eigentliche Kernkompetenz Versicherungs-Know-how bleibt jedoch beim
Online-Anbieter bestehen, der damit schlanke, straffe
Unternehmensstrukturen schafft. Ein Anbieter kann z.B. Kosten sparen,
indem er im Rahmen einer Kfz-Versicherung für die Schadenregulierung mit
einem dafür spezialisierten externen Partner zusammenarbeitet. Alle
Versicherungsfälle sowie die Kommunikation mit Partnern werden aber über
das Internet abwickelt und der dadurch entstandene Kostenvorteil wird an
die Kunden weitergegeben. Virtuelle Versicherungen zeichnen sich aber auch
durch einen höheren Grad an Kundenorientierung aus, da sie flexibler
reagieren und für besondere Aufgabenstellungen auf den jeweiligen
Spezialisten zurückgreifen können: Know-how wird dort in Anspruch
genommen, wo es für den Kunden den größtmöglichen Nutzen bringt.
Hohe Erwartungen an Online-Versicherer
Gerade unter Internetnutzern herrscht ein eindeutiger Trend,
Eigeninitiative zu ergreifen und ihre Anforderungen zu formulieren,
intensive Informationsrecherche zu betreiben und Angebote zu vergleichen,
um sich dann für das geeignete Angebot zu entscheiden. Sie haben sehr
schnell gelernt, den zentralen Vorteil, den ihnen das Internet bietet, zu
ihren Gunsten zu nutzen: die Interaktivität. Entsprechend hoch sind die
Erwartungen hinsichtlich individualisierter Information, Schnelligkeit,
Erreichbarkeit und Service.
Interaktivität entlang der Versicherungsphasen
Assekuranzunternehmen können mit innovativen Tools einen dynamischen
Wachstumsmarkt erschließen und die gesamte Wertschöpfungskette
interaktiv gestalten. Dies bedeutet jedoch, dass jede mögliche
Schnittstelle zum Kunden mit einer Reihe an Dialogoptionen und
Dialogwerkzeugen ausgestattet werden muss. Sie stellen den eigentlichen
Mehrwert für Online-Versicherte dar.
Interaktivität muss in jeder Phase der Kundenbeziehung gewährleistet
sein. Die Pre-Sales-Phase, in der sich der Interessent über das
Online-Angebot informiert, gehört ebenso dazu, wie der eigentliche
Abschluss einer Versicherung, die After-Sales-Phase, sowie die
Inanspruchnahme einer Versicherungsleistung.
Transparenz und Bequemlichkeit
Der Kunde möchte sich vor dem Vertragsabschluss über alles
informieren können, er will sich per Mausklick versichern und jederzeit
Einblick in seine Police nehmen können. Im Schadenfall erhebt er online
Anspruch auf seine Versicherungsleistung, füllt am Bildschirm
entsprechende Formulare aus und will die Abwicklung des Falles in einem
nur für ihn zugänglichen virtuellen Dossier mitverfolgen. Bietet ein
Online-Versicherer all diese Optionen, erwächst dem Kunden daraus ein
enormer Vorteil hinsichtlich der Transparenz der Leistungen und der
Bequemlichkeit ihrer Handhabung.
Individuelle Ansprache und Betreuung statt Massenmarketing
Der heutige Kunde möchte nicht mehr, dass massenhaftes, anonymisiertes
Material seinen Briefkasten verstopft - er hat einen hohen Bedarf an
individualisierter Information. Er will interessiert, überzeugt und
begeistert werden, denn erst dann ist er bereit zu kaufen. Doch damit
nicht genug. Assekuranzunternehmen, die nur auf den Vertragsabschluss aus
sind, werden schnell merken, dass ihnen die Kunden bei der nächsten
Gelegenheit abspringen, um zur Konkurrenz zu gehen. Kundenbindung ist
unbestritten einer der Erfolgsfaktoren moderner Dienstleister und das
Internet stellt die ideale Plattform für eine langfristige
Kundenloyalität dar. Der Online-Versicherer kann mit Hilfe der
Interaktivität punktgenau auf die Wünsche des Kunden eingehen und z.B.
den Newsletter nicht an den gesamten Kundenverteiler versenden, sondern
lediglich an diejenigen, die dies auch tatsächlich wollen. So entscheidet
allein der Kunde, welche Informationen, in welchem Umfang und in welchem
Format er zu welchem Zeitpunkt aus dem Infopool erhält.
Interaktive Servicemöglichkeiten
Nur jene Versicherer, die ihren Kunden individuelle, interaktive
Service- und Zusatzdienstleistungen zur Verfügung stellen, werden
langfristig im E-Commerce überleben. Der starke Wettbewerb dehnt die
Versicherungsleistung immer weiter in die Ebene der erweiterten
Dienstleistung aus und die Gewinner dieser Entwicklung sind die Kunden.
Aus der Individualität und Modularität der Serviceleistungen sowie aus
deren Integration in das vorhandene Leistungsspektrum schöpft der Kunde
den für ihn essentiellen Mehrwert.
Gleichzeitig stellen Zusatzdienstleistungen für Assekuranzunternehmen
eine wichtige Chance dar: Sie können sich vom Wettbewerb differenzieren
und werden vom Kunden als Dienstleister mit lohnenswerten
Alleinstellungsmerkmalen identifiziert.
PRIMESâ von Ineas
Ein Beispiel für die Kundenorientierung eines Online-Versicherers
stellt das interaktive Servicetool PRIMESâ der
Ineas Insurance Company N.V. dar. Die europäische Online-Versicherung mit
Sitz in Amsterdam (www.ineas.de) ist ausschließlich im Web vertreten und
bietet seine Produkte seit dem vergangenen Jahr am niederländischen Markt
an. Seit März 2000 ist Ineas auch am deutschen Markt. PRIMESâ
ist in die Ineas-Website integriert und als persönliches Risk
Management-Tool für den privaten Versicherungsnehmer konzipiert. Es
stellt kostenlose Informationen und Entscheidungshilfen zu den Themen
Risiken, Versicherungsmöglichkeiten, Schadenminderungs- und
Schadenverhütungsmaßnahmen zur Verfügung. Darüber hinaus enthält
PRIMESâ Werkzeuge, die dem Kunden helfen,
seine persönliche Risikosituation zu analysieren. Vorformulierte
Standardbriefe sollen den Schriftverkehr unter anderem mit
Versicherungsunternehmen erleichtern. Mittels Bonus-Malus-Kalkulator für
die Kfz-Versicherung kann der Kunde berechnen, ob es günstiger ist, den
Schaden selbst zu bezahlen oder ihn an die Versicherung zu melden.
Rechtliche Hindernisse im E-Commerce
In Deutschland können die Möglichkeiten, die das Internet bei
Online-Versicherungen bietet, leider noch nicht ganz ausgeschöpft werden.
Grund dafür ist die bislang umstrittene Rechtsgültigkeit von
Vertragsabschlüssen über das Web. So ist es derzeit möglich, am
Computer ein Antragsformular zum Abschluss einer Versicherung
auszufüllen. Und Ineas beispielsweise bietet dann auch sofortigen
Versicherungsschutz per Mausklick. Dennoch müssen anschließend die
Versicherungsunternehmer die Policen mit den Verbraucherinformationen noch
per Post zuschicken. Der Versicherungsnehmer muss wiederum deren Erhalt
per Unterschrift – auf Papier - bestätigen. Abhilfe verspricht eine
kürzlich verabschiedete EU-Richtlinie zur digitalen Signatur, die eine
Änderung der deutschen Gesetzgebung zur Folge haben wird. Danach wird der
Erhalt der Versicherungspolice künftig auch per digitaler Unterschrift
bestätigt werden können.
Dies und eine EU-Richtlinie, die einen rechtlichen Rahmen für den
Vertrieb von Finanzdienstleistungen per Internet vorsieht und dem
Verbraucherschutz einen hohen Stellenwert einräumt, wird den Durchbruch
für den europäischen E-Commerce beschleunigen und einheitliche
rechtliche Standards gewährleisten. In hohem Masse werden davon
Privatkunden profitieren, die sich online versichern und dazu alle
interaktiven Möglichkeiten des Internet nutzen wollen.
Vertrauen aufbauen
Das wichtigste Kapital, das eine Versicherung hat, ist das Vertrauen
ihrer Kunden. Online-Assekuranzen müssen dieses Vertrauen erst aufbauen.
Eine zuverlässige Bearbeitung der Fälle, insbesondere bei der
Schadenregulierung, optimaler Service, Transparenz der Leistungen und eine
seriöse Sicherheitspolitik sind die Komponenten, die den
Vertauensvorschuss festigen, den Internetnutzer ihren
Versicherungsunternehmen gewähren.
International, informativ und interaktiv
Die Herausforderung für Online-Versicherer in den kommenden Jahren ist
es, die Möglichkeiten, die der E-Commerce hinsichtlich
Internationalität, Information und Interaktivität bietet, zum Vorteil
ihrer Kunden zu nutzen. Einschätzungen von Branchenkennern zu Folge
werden bereits in vier Jahren 15 bis 20 Prozent der Lebens-, Sach und
HUK-Versicherungen online verkauft werden. Im Bereich der
Kfz-Versicherungen wird dieser Prozentsatz noch deutlich höher liegen.
Ein dynamischer Wachstumsmarkt also, dessen Wettbewerbspotenzial noch
manche positive Überraschung für Versicherungsnehmer birgt.
Autor: Niek Ligtelijn, Vorstandsvorsitzender der Ineas Insurance
Company N.V.
(Zeichen: 11.101)