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Europas erste virtuelle
Versicherung stellt sich vor
MÜNCHEN (uo) -
Die Ineas lnsurance Company N.V. ist die erste virtuelle Versicherung
Europas. Ihre Geschäftsidee: Sie nutzt das Internet zur Distribution
ihrer Produkte und zur Verknüpfung ihrer Organisationseinheiten. Dabei
handelt es sich um eigenständige Unternehmen in verschiedenen Ländern.
"Virtuell", das hört Niek Ligtelijn,
Vorstandsvorsitzender von Ineas, nicht gern: Wir sind eine richtige
Versicherung und bieten reale Produkte an." Im Dezember 1998
erhielt die Aktiengesellschaft ihre Zulassung als Versicherung von der
niederländischen Aufsichtsbehörde. Das Sicherheitskapital beläuft sich
auf rund drei Millionen Dollar. Der Ineas-Firmensitz befindet sich in
Amsterdam. Dort arbeiten derzeit 15 Mitarbeiter; weitere 100
Mitarbeiter beschäftigt Ineas im europäischen Ausland.
Darüber hinaus sieht das ökonomische Modell die Auslagerung von
Kernkompetenzen an Partnerfimen vor. In Deutschland arbeitet etwa die
Dekra als Schadensregulierer für Ineas. Für den DV-Betrieb zuständig
sind CAF, München, die im Januar dieses Jahres von der PMS Micado
Software Consult GmbH gekauft wurde, ID GmbH in Kevelaer, die belgische
Firma LdV sowie die niederländischen Unternehmen Lead Architect und
Digital Valley.
Rückversichert ist Ineas bei der Schweizer Rück, der Kölner Rück
und der französischen Scor. Auch anstelle von firmeninternen
Organisationseinheiten, Rechts- und Marketing-Abteilungen unterhält die
Versicherung Beziehungen zu Partnerfirmen. "Dadurch ist Ineas ein
wahrhaft europäisches Unternehmen, das zugleich sehr flexibel in seiner
Organisationsstruktur sein und preisgünstig arbeiten kann",
argumentiert Ligtelijn. Die Partner sucht er in Abwägung des Preises und
der Leistung heraus. Ihre Anzahl ist je nach Ausdehnung des Geschäfts
variabel, und der Standort ist durch die Vernetzung nahezu irrelevant.
Unser Geschäftsmodell ist auf Skalierbarkeit ausgerichtet.
Auch die Absatzmärkte sind europäisch. In rund vier Wochen wird das
Unternehmen in den Niederlanden seinen Betrieb aufnehmen. Ab Herbst dieses
Jahres stehen die Dienstleistungen auch in Deutschland und Belgien zur
Verfügung. Die Distribution in Frankreich und Großbritannien soll bald
danach erfolgen.
Die Unternehmensorganisation gleicht somit einem bunten Steckspiel mit
Ineas im Zentrum. Der Vertrieb dagegen läuft nur über einen Kanal: das
Internet.
Vom Angebot über Tarifierung und Policierung und Schadensabwicklung
läuft die Kundenbetreuung ausschließlich über das Web.
Potentielle Kunden können sich anonym über die Ineas-Produkte
informieren und ihre Prämien kalkulieren. Kommt es zum Vertragsabschluß,
erhalten die Versicherungsnehmer eine eigene Domaine, so daß sie
beispielsweise jederzeit ihre Vetragskonditionen abrufen und bei mehreren
Policen die Übersicht behalten können.
In Schadensfällen bietet die Versicherung Statusberichte zur
Bearbeitung des Vorgangs an.
Der sonst in der Branche übliche Schriftverkehr entfällt. Allein in
Deutschland ist aufgrund der Rechtslage der Vertragsabschluß nur über
den Postweg möglich. Der Vertrag erhält seine Gültigkeit mit einer
Unterschrift. Bei Problemen steht den Ineas-Kunden auch der Service eines
Call-Centers zur Verfügung.
Erscheinen die Organisationsform und der Vertriebsweg noch ungewohnt,
sind die Zahlungsweisen und Produkte von herkömmlicher Art. Damit sind
elektronisches Geld, aber auch Kreditkartenverfahren ausgeschlossen.
Möglich sind Schecks, Überweisungen und Lastschriften.
Bei den Produkten ist laut Ligtelijn der Wiedererkennungseffekt wichtig.
Daher will er zunächst in den jeweiligen Ländern übliche
Standardversicherungen für den Privathaushalt anbieten: Produkte für die
Privathaftpflicht, den Hausrat, für den Wohngebäude-, Unfall- und
Kfz-Schutz.
Die Beschränkung auf bekannte Versicherungstypen hat mehrere Gründe.
Zum einen kann es aufgrund der unterschiedlichen nationalen Gesetze noch
kein europäisches Produkt geben. Zum anderen existieren in den
verschiedenen Ländern unterschiedliche Ausprägungen eines Produkts etwa
der Autohaftpflicht. Sodann dürfen die Konditionen einer Versicherung
nicht zu komplex sein, um die Klientel nicht zu verschrecken.
Außerdem sollen sich die Produkte leicht mit denen der Konkurrenz
vergleichen lassen. Nur so kommt die Marketing-Strategie des Unternehmens
zum Tragen. Die im Vergleich zu traditionellen Verfahren billigeren
Online-Transaktionen, die schlanke Organisation und die moderne,
preiswerte technische Infrastruktur sollen als Preisvorteile an die Kunden
weitergegeben werden.
Die Neugründung Ineas hat keine DV-Altlasten zu bewältigen. So gibt
es weder ein Jahr-2000 noch ein Euro-Problem. Die Internet-Lösung muß
nicht erst an in Jahrzehnten entwickelten BackOffice-Lösungen und Mammut
Datenbestände angeschlossen werden. Im Zentrum der Ineas-DV steht die
Microsoft-Datenbank SQL Server sowie eine AS/400 Anwendung von Innovative
Datenverarbeitung GmbH, Kevelaer, die mit Hilfe von Cold Fusion' der
Firma Allaire neue Benutzer-Interfaces bekommen hat.
Zum Schutz der Firmen-DV setzt Ineas Altavista-Firewalls ein.
Um das Geschäftsmodell einer Online-Versicherung erfolgreich zu machen,
reicht es nicht, bekannte Produkte preiswert anzubieten. Das sieht auch
der Chef so. Wesentlich dafür sei ein verbesserter Service für den
Kunden. Immerhin gestatte es das Medium Internet, mit den Kunden in
direkten Kontakt zu kommen. Zudem sorgten die interaktiven Web-Seiten für
Bearbeitung der Anliegen ohne Verzögerung.
Ligtelijn weigert sich, zu prognostizieren, wieviel Umsatz er etwa in
einem Jahr erwirtschaftet haben will oder wieviel Prozent Marktanteiler zu
Lasten der etablierten Versicherungen erringen können wird. Skeptiker der
Versicherungsbranche räumen dem Online-Geschäft nur wenig Chancen ein.
So sei für das notwendige Vertrauen des Kunden zum Versicherer ein
persönlicher Kontakt unerläßlich. Zudem sei Versicherungsschutz nur
aktiv zu verkaufen, der Versicherer müsse den Bedarf erst wecken. Dagegen
setzt die Internet-Vermarktung aktive Suche der Kunden voraus.
Doch Ligtelijn, ein alter Hase in der Branche, verweist im Gegenzug
darauf, daß sich auch nicht jeder von einem Versicherungsmakler
beschwatzen lassen will. Seine Klientel sucht Ineas bei denen, die heute
bereits das Internet nutzen, und die es mögen, Dinge selbst in die Hand
zu nehmen. Und dieser Kundenkreis wachse. So werde eine Autohaftpflicht in
Großbritannien bereits zu 70 Prozent am Telefon verkauft, in den
Niederlanden zu 35, in Deutschland aber erst zu zehn Prozent.
Außerdem werde der Ineas-Erfolg durch den erstarkenden EU Binnenmarkt
begünstigt, den die etablierten Versicherungen erst jetzt wahrnehmen.
Zudem haben sie laut Ligtelijn erst 1997 mit der Umsetzung der 1994 in
Kraft getretenen Deregulierung begonnen. Sein Konzept sei jedoch von
vornherein auf keinen nationalen Markt ausgerichtet. Letztlich werde Ineas
dafür sorgen, daß sich Vertrauen aufbauen kann, durch eine zuverlässige
Bearbeitung, insbesondere im Schadensfall. "Gleich unsere ersten
Kunden werden richtig happy sein."
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